Neue Bücher
Dieser Artikel erschien in der Fang
den Wind Nr. 41.
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Tal Streeter: A Kite
Journey Through India.
Weatherhill
Inc., NewYork 1996. 182 S. ISBN: 0-8348-0301-1. DM 79,50
Dieses Buch hat ebenso
wie sein Vorgänger ("The Art of the Japanese Kite")
ganz ohne Zweifel das Zeug zum Klassiker. Schon der Autor Tal
Streeter bürgt für Qualität. Diesmal ist sein Hauptthema der
indische Kampfdrachen.
Kann sich beispielsweise einer von uns vorstellen, daß in einer
einzigen indischen Stadt, Ahmedabad, pro Jahr zehn Millionen
Kampfdrachen verkauft werden, von denen kaum einer das Jahr
übersteht ? Jeder Kampfdrachenflieger "verbraucht" am
14. Januar, dem Drachengroßkampftag, je nach Fähigkeiten
zwischen zwanzig und fünfzig Drachen.
Für die Inder ist ein Drachen, mit dem man nicht kämpfen kann,
im übrigen reine Dekoration, quasi nutzlos. Die Einbindung von
Drachen in das kulturelle Umfeld ist in Indien daher gänzlich
verschieden von der unserer westlichen Welt.
Tal Streeters Buch gewährt faszinierende Einblicke in eine
fremde Kultur, sehr einfühlsam und fast poetisch-lyrisch
beschrieben. Man taucht mit ihm in eine fremde Welt, lernt die
Gedankengänge von indischen Drachenspezialisten kennen, wandert
mit ihm durch indische Basare, guckt beim Herstellen der
Kampfschnüre zu und besucht indische Drachenbaufamilien.
Pflicht für jeden Drachenliebhaber. Mein Rat: zuschlagen, bevor
es wie sein Vorgänger vergriffen ist.
Junge Inderin bei der Kampfdrachen-Herstellung
The Dayton Art Institute:
Art That Flies.
Curt Asker,
Jackie Matisse, Tal Streeter. Dayton, Ohio 1991. 139 S.
ISBN:0-937809-10-1 DM 44,90.
Der Himmel als
grenzenlose Leinwand ? Der Drachen als Transportmittel von
ästhetischen Experimenten ? Für die drei Künstler schon lange
keine Frage mehr. Dieser Ausstellungskatalog dokumentiert ihr
Schaffen, beleuchtet Hintergründe, bietet Erklärungsmuster und
läßt den Künstler Platz für eigene Berichte. Ich gebe zu, mit
Drachen oder Flugobjekten, die rein künstlerischer Natur sind,
tu ich mich ein wenig schwer.
Zu oft schien es mir, daß, wie nicht selten in der
"modernen Kunst", ein triviale Tätigkeit oder ein
Objekt durch einen Wust von augenscheinlich an den Haaren
herbeigezerrten aufgeblähten Erklärungen zu Kunst erklärt
wird.
Die hier beschriebenen Künstler sind aber alle längst über
diesen Vorwurf erhaben. Curt Asker beispielweise, den viele von
Euch vielleicht noch aus einem DraMa-Bericht kennen, versteht es
meisterhaft, den Himmel als Fortsetzung des Horizonts zu
betrachten, und dementsprechend bevölkern auf eine fast
surrealistische Weise eigentlich erdgebundene Objekte wie
Hundepfoten, Schnecken, Autos und Fahrräder den Himmel.
Jackie Matisse, eine Enkelin des berühmten Expressionisten Henri
Matisse, kann mich von ihrer Art Kunst schon etwas weniger
überzeugen, obgleich manche Installationen (Underwater Kite
Tails) schon faszinierend sind.
Tal Streeter hingegen, begnadeter Buchautor, Drachenbauer und
Photograf, macht die Art von Kunst, mit der ich persönlich am
meisten anfangen kann, angefangen von seiner berühmten "Red
Line" bis hin zu seinen Rauminstallationen. Empfehlenswert.
Curt Asker: Trace (1974) - Jackie Matisse: Homage to Yves Klein (1977)
Scott Skinner: Kites.
Paper Wings Over Japan.
Thames and
Hudson, New York 1997. 95 S. ISBN: 0-500-27942-X. DM 44,90
Das ist die erste
Publikation der Drachen-Foundation, die ich in der Hand halte.
Wer beim Durchblättern dieses Buches mit ungewöhnlichem Format
(17.8 cm x 30.4 cm) nicht sofort dieses Haben-Wollen-Gefühl
verspürt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Vierundneunzig
Abbildungen, davon 57 in Farbe, auf bestem Papier knackigst
gedruckt, geben einen Überblick über japanische
Drachenbaukunst.
Angefangen von der Drachengeschichte, über Materialien,
regionale Bauformen (Super: eine Übersichtskarte mit den
verschiedenen Drachenformen und ihren Herkunftsorten), über
aerodynamische Aspekte bis hin zu frühen und heutigen
Drachenbaumeistern wird die bislang umfassendste Dokumentation
japanischer Drachenbaukunst geboten.
Völlig begeistert hat mich der Abschnitt über traditionelle
Drachenmotive. Nicht nur die zum Teil bei uns bisher
unveröffentlichten Motive aus dem Shirone-Kite-Museum und dem
Tokyo-Kite-Museum, sondern die detailierten Geschichten und Sagen
dahinter hab ich sonst nirgendwo in der Literatur angetroffen.
Falls dies der Anfang einer Buchreihe aus der Drachen-Foundation
sein sollte, haben wir noch herrliche Tage vor uns.
Wenn ihr einen Drachenflieger zum ewigen Freund haben wollt,
schenkt ihm dieses Buch. Danke, Scottie.
Flowform mit Yakko-Motiv von Katsutaka Murooka
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©1997 Thomas-Michael Rudolph