Fang den Wind - Aktuell

Dieser Artikel erscheint in der kommenden Fang den Wind Nr. 45 .
| Impressum | Bezugsquellen | FdW-Startseite |

Das Ende der Fahnenstange - Teil 2

Leider treten mit einer unschönen Regelmäßigkeit immer wieder bestimmte Themen auf, die, obwohl unangenehm, einfach mal angesprochen werden müssen.
Die regelmäßigen Leser der FdW können sich bestimmt (oder auch nicht) noch an einen Artikel von mir in der Ausgabe Nr. 34 /2.95 erinnern. Der Artikel war "Das Ende der Fahnenstange" betitelt und behandelte das Thema der schwarzen Wohnzimmer-Drachenhändler und seine Auswirkungen auf die Drachenszene.
Seinerzeit hatte dieser Artikel einiges böses Blut verursacht, aber natürlich wurde nur hinter den Kulissen gemurrt. Interessanterweise hatten sich genau diejenigen Leute, die ich im Auge hatte, auch angesprochen gefühlt und entsprechend reagiert. Nun haben allerdings viele der Schwarzdrachenhändler ihre Tätigkeit aufgegeben, wohl auch unter dem Aspekt, daß das Risiko einer Besteuerungsschätzung seitens des Finanzamtes zu hoch sei.
Nun breitet sich eine neue Variante des Schwarzhandels aus.
Einige Drachenflieger nähen kleine Drachen, Windspiele oder ähnliches, und versuchen diese, an Ort und Stelle des Geschehens, nämlich dem Drachenfeld, an das Publikum zu verkaufen.
Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, wenn derjenige die Erlaubnis der Veranstalter einholt und einen entsprechenden finanziellen Beitrag, wie alle übrigen beteiligten Verkaufsstände, entrichtet.
Auch ist eine gewisse Arbeitsleistung oder Unterstützung des Veranstalters als Ausgleich vorstellbar. Schließlich sind es gerade diese kleine Einnahmen, die eine Unterbringung und Verpflegung der eingeladenen Drachenflieger erst ermöglichen.
Oft ist die Finanzierung eines Drachenfestes nur ungenügend gedeckt und kann nur durch die Hilfe vieler freiwilligen Helfer ausgeglichen werden. Fällt jedoch eine der wenigen Einnahmequellen weg (z.B. die Standgebühren für Drachenverkauf), kann dies zum Scheitern des gesamten Festes führen. Dies wäre sehr schade und noch mehr deprimierend für die freiwilligen Helfer und Drachenflieger, die sich so aktiv und mit viel Spaß an der Sache für ein Fest eingesetzt hatten.
Die betreffenden Herrschaften aber denken meistens gar nicht daran, ihre Verkaufsaktion zu legalisieren.
Auch mit wenig Phantasie ist dann der Unmut eines Standinhabers auf einem Drachenfest nachvollziehbar, wenn er mit ansehen muß, wie von seinem Geld ein Drachenflieger untergebracht und verpflegt wird, der dann zum Dank ähnliche Produkte zu einem günstigeren Preis anbieten kann, weil er weder Steuern noch andere obligatorische Kosten hat.
Über die wirtschaftliche Situation des Drachenfachhandels braucht hier weiter kein Wort verloren werden. Jeder, der sich auskennt, weiß, was überall los ist. Niemand in der Drachenszene kann sich heutzutage auf einfache Weise eine goldene Nase verdienen. Hier muß hart gearbeitet werden. Dazu gehört auch das Stehen hinter einem Stand während eines Drachenfestes.
Wenn er nichts einnimmt, wird er das nächstes Mal nicht kommen, dann gibt es auch keine Einnahmen für den Veranstalter und damit unter anderem keine Verpflegung und Unterkunft für die geladenen Drachenflieger. So einfach ist das. Bei wem sich die Drachenflieger dann bedanken können, ist auch klar. Als Ausrede wird dann oft von den Schwarzhändlern das Argument gebracht, man benötige diese Einnahmen, um die Reisen zu den Drachenfesten zu finanzieren. Nun ja, jemand, der den ganzen Tag vor seinem Krempel sitzt, hat wohl kaum Zeit, was Kreatives zum Gelingen des Drachenfestes beizutragen. Auf solche Teilnehmer kann jeder Drachenfestveranstalter gut und gerne verzichten. Die Schwarz-Drachenverkäufer halten sich zudem für kleverer als ihre schwarzen Drachenmaterial-Brüder, da sie scheinbar keine buchhalterischen Spuren wie beim Großhandelseinkauf hinterlassen.
Ich kann aber hier nur alle Betreffenden warnen.
Einige Veranstalter sind dazu übergegangen, die entsprechenden schwarzen Schafe in flagranti zu fotografieren. Beim zweiten Mal trotz vorangegangener Abmahnung werden die Fotos mit entsprechenden Angaben dem zuständigen Finanzamt übergeben. Dieses wiederum wird dann hochrechnen und eine satte Umsatzschätzung mit entsprechenden Steuerbeträgen veranlassen. Dem kann man nur voll und ganz zustimmen. Wer auf Kosten der Allgemeinheit und ehrlicher Anderer einen Vorteil für sich verschaffen will, handelt asozial und muß mit entsprechenden Sanktionen rechnen. Für eine so kleine und relativ überschaubare Gemeinschaft wie die der Drachenflieger gilt das um so mehr.
Daher unser Appell an Alle, die sich mit dem Gedanken tragen, auf Drachenfesten serienmäßige Kleinigkeiten an das Publikum zu verkaufen: Meldet ein Gewerbe an, meldet Eure Umsätze, zahlt Eure Steuern und arrangiert Euch mit den jeweiligen Veranstaltern. Alles andere ist unfair.
Nicht nur die Veranstalter profitieren von den vielen kleinen "Familienfesten". Auch die Drachenflieger können ein schönes Wochenende haben, für dessen Organisation sie nichts zu tun brauchen. Ein ausgeglichenes Verhältnis in dieser Sache ist für die Erhaltung der Familiendrachenfeste unbedingt notwendig. Die Drachenflieger sollten sich dem mehr bewußt werden und dem Veranstalter bei Lösung oben genannter Probleme helfen.


Impressum | Bezugsquellen | FdW-Startseite |
©1998 Thomas-Michael Rudolph