Mein TIM
entstand nach einer Bauanleitung
von Jürgen Arthofer, die er freundlicherweise Ende 1995 im MausNet veröffentlicht
hat. Der Drachen hat 125cm Leitkanten und etwas weniger als 2m Spannweite. Der
Windbereich hängt von den verwendeten Materialien ab. Ich habe den Tim
aus 6mm Carbonrohr und K42 Carrington gebaut. Er flog so etwa ab 10-12 km/h
vernünftig, fühlte sich aber jenseits von 20 km/h sichtbar am wohlsten.
:-)
Ich hielt mich größtenteils an das Original, nahm mir jedoch
die Freiheit, die vorgeschlagene Paneelaufteilung etwas (stark) zu verändern,
sowie die Nase auf 6cm zu verbreitern.
Der Jungfernflug fand im Jänner 1997 auf der Wiener Donauinsel
statt. Die Wiese lag damals unter einer dünnen, vereisten Schneedecke
und es war saukalt :-) Die unwirtliche Temperatur vergaß ich aber
bald, denn der Tim brachte mich mit seinem quirligen Verhalten recht schnell
zum Schwitzen.
Wie man schon merkt, handelt es sich um einen recht flotten, trickfreudigen
Drachen. Jürgen's Aussage, daß es sich um eine gute Selbstbau-Alternative
zu Drachen wie Psycho und Box Of Tricks handelt, kann man nur beipflichten.
Auf Anhieb gelingen fast alle bekannten (und teilweise noch nicht bekannte
:-) ) Tricks wie Axel, Double Axel, Cuckoo Clock, etc.
Überraschend fand ich die sehr gute Spurhaltung im Geradeausflug sowie
erstaunlich wenig Tendenz zum Überdrehen selbst bei knackigen 90°
Ecken.
Im Frühjahr 1997 begann ich an verschiedenen Drachen mit Turbo-Waagen
zu experimentieren. Unter anderem bekam auch mein Tim eine solche verpaßt.
Der Effekt war erstaunlich: War der Drachen vorher schon relativ "präzise"
für einen kleinen Trickdrachen, so wurde er mit der neuen Waage noch
etwas gutmütiger und spurtreuer im "Normalflugmodus". Wenn
man ihn jedoch durch eine gezielte Übersteuerung (Snap oder Spin)
in den "Trickmodus" brachte, führte er sich noch wilder
auf als früher.
Der größte Vorteil war jedoch, daß man ihn praktisch
aus jeder Situation sauber wieder herausführen konnte, indem man einfach
die Leinen auf "neutral" zurückbrachte. Mit der Originalwaage
hatte er die Eigenheit, gerne mal mit der Nase nach vor zu kippen, wenn
man ihn zu wild behandelt hatte und der Druck im Segel völlig weg
war. Aber auch das war kein wirkliches Problem: Ein Ruck an beiden Leinen
und schon stellte er sich wieder auf und zischte ab. Die Turbo-Waage griff
in einem solchen Fall besser und stellte ihn auch ohne Ruck wieder in den
Wind.
Tja und nun kommt das traurige Ende (sensible Naturen sollten vielleicht
jetzt weitersurfen :-) ):
Am Freitag, den 20.6.1997 hatten wir in Wien etwa 30-50 km/h Westwind,
also eigentlich ideale Verhältnisse für den Tim. ;-)
Ich hatte nach einer Bauchlandung gerade noch Gelegenheit zu testen, ob
der Tim auch zum dead-launch fähig ist
(was er übrigens tatsächlich war!)
Kurz danach gaben eine Waageleine und gleichzeitig die Lenkleine der
anderen Seite einer plötzlichen Windbö nach, die den Tim kurz
nach dem Start mitten im Zentrum des Windfensters traf. Binnen Sekunden
entschwand der Drachen in einem grazilen Steig/Gleitflug aus dem Sichtfeld.
Eine sofortige Suchaktion in dem umliegenden Wald- und Gartengebiet mußte
nach zwei Stunden erfolglos abgebrochen werden.
Abgesehen vom Verlust des Drachens ärgert mich am meisten, daß
ich damit meine Experimente mit der Turbo-Waage an kleinen Trickdrachen
nicht weiterführen konnte.
Mein Tim wird immer noch vermißt. Ich nehme stark an, daß
er im Bereich Wien 19; Hameaustraße/Keylwerthgasse von einem Passanten
aufgelesen wurde oder in einem Garten gelandet ist. Für seine Rückgabe
würde ich auch etwas springen lassen. Mein Tim ist der einzige mit
dieser Segelausführung (22 Paneele). Ich besitze zwar noch die Schnittschablonen,
fertige aber absichtlich keinen zweiten an, sodaß es sich immer noch
um ein Unikat handelt. Er ist übrigens auch mit Lackstift markiert:
An der linken Flügelspitze steht "TIM", an der rechten "A.S.
Vienna 1/97". Falls ihn jemand sieht, möge er sich doch bitte
bei mir melden...
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Last modified on 3.Dez.1997.